Verrückt – oder ?

Start ist am längsten Tag des Jahres, am 21. Juni um 13 Uhr in der Bucht von Wismar. Dem südlichsten Punkt der Ostsee. Ziel ist Töre (Schweden), der nördlichste Punkt der Ostsee, bei der gelben Posttonne mit dem früheren Briefkasten. Wir sprechen von der lt. Eigenwerbung längsten und härtesten Ostseeregatta, der Midsummer Sail 2022 über round about 900 Seemeilen.

Samuel Tonne, genannt Sammy, aus Flensburg, will mit einem KZV unbedingt teilnehmen.

Richtig gelesen: mit einem Kielzugvogel.

Mit Diamond Rigg, zwei Reffs, und einer Sturmfock. Segelnummer 1446, also Baujahr aus den siebzigern. Sammy ist zuversichtlich: er hat das Boot gerade erst in Kiel übernommen und mal eben nach Fehmarn gesegelt, mit einer Spitzengeschwindigkeit von 7,2 Knoten über Grund ! Sammy und Copilot Sascha Rosendahl sind begeistert: „Das Spiel zwischen Schot und Pinne ist genial, gibt´s bei keinem anderen Boot so feinfühlig“. Die beiden müssen es wissen: sie sind Segellehrer. Im anderen Leben ist Sammy übrigens Musiker und Multiinstrumentalist. Sammy und Sascha wollen mit dem kleinsten Boot der Flotte im Zeitlimit bleiben und das endet am 5. Juli. Zur Sicherheit ist ein PKW mit Trailer auch Richtung Töre unterwegs und kann die beiden aufnehmen, wenn es gar nicht mehr weitergeht.

Der Wettfahrtleiter dagegen hat Bedenken, denn der KZV hat z.B. keine Kajüte. Man ist allerdings in guten Gesprächen: Sammy kämpft und rüstet auf: wasserdichte Seesäcke zum Stauen alles notwendigen, aber auch dienlich als Auftriebskörper. Schwimmwesten und Lifebelts sind selbstverständlich. Lenzer, Ösfässer, Epirb, 3-Farben-Laterne, Tracker, 10 geladene Monster Akku Packs für die Stromversorgung. Essen und Trinken auf niedrigstem Niveau. 20 Liter Saft und 20 Liter Wasser sind an Bord. Tägliche Wetterberichte sind eingeplant. Wache hat, wer Lust hat. Wachfrei hat, wer keinen Bock hat. Falls es nicht passt, entscheidet der Skipper. Manöver wie Reffen, Segelwechsel, Lenzen u.v.a.m. gehen nur zu zweit. Der wachfreie Segler ruht auf Segelsäcken unter einer Persenning, die übrigens dem früheren Sturmvogel nachempfunden ist.

Sammy will auf jeden Fall starten, notfalls außer Konkurenz, denn die drei Wochen Urlaub sollen verbraucht werden. Das Revier kann freundlich sein: es wird weiter im Norden nachts nur noch für kurze Zeit dunkel. Auf der schwedischen Seite gibt es küstennah viele Möglichkeiten, sich auch mal vor einem Sturm zu verstecken. Kaum Gezeiten. Ankern ist erlaubt. Zur Not darf auch ein Motor benutzt werden in diesem Fall muss man aber wieder zu dem Punkt zurück, an dem der Motor gestartet wurde und ab dem man wieder los segeln darf.

Wie ist Eure Meinung ? Verückt oder machbar ?

Michael Hübner  

 

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