Alexander Morgenstern und Tanja Seegelke gewinnen die Warnemünder Woche
Warnmünder Woche
Also das war so… nein, doch… Ohhhh!!!
Ankunft der meisten Kieler am Montag. Anmeldung im Regattabüro inklusive Stellplatzzuweisung und „Vergatterung“. Vergatterung deshalb, weil die Unterkunftsmöglichkeiten auf dem dortigen Militärgelände auf der Hohen Düne lagen.
Insgesamt war das aber keine schlechte Sache. Das Wachpersonal war sehr nett, wenn auch hin und wieder ein wenig unaufmerksam – so haben es einige tatsächlich geschafft, ganz ohne den berühmt-berüchtigten „Passierschein A38“ auf das Gelände zu gelangen. Dies war dem Wachhabenden zwar gar nicht recht, hielt ihn aber nicht davon ab, sich am Abend noch gesellig zur Kieler Selbsthilfegruppe zu gesellen. Diese war wie immer erstklassig organisiert: Die Wohnmobilfahrer hatten bereits kleine Burgen gebaut, in die sich die Pkw- und Busfahrer hervorragend integrieren konnten. Das war auch bitter nötig, da das Wetter anfangs sehr zu wünschen übrig ließ. Regen, Regen, Regen – und dazu reichlich Wind, der uns zwar ordentlich Beine machte, aber alle Aktivitäten außerhalb von überdachten Räumen gezwungenermaßen auf das absolut Nötigste beschränkte.
Dienstag: Vermessung und Aufbau
Der Tag verlief unspektakulär. Aber: Nach dem Aufbau und der Vermessung wurde es spannend. Einige Kieler versuchten, sich auf dem Paddelweg zum zugewiesenen Steg durchzuschlagen. Das stellte sich als mittelgute Idee heraus, da uns eine gehörige Portion Wind gepaart mit einer ordentlichen Menge an waagerechtem, feuchtem Wetter entgegenblies. Die weitaus bessere Lösung: einfach segeln!
Mittwoch: Erste Wettfahrt
Die Bedingungen waren leider nicht optimal für die Kieler – laut Klassenvereinigung sogar ein bisschen „too much“. Die Wettfahrtleitung gab sich jedoch optimistisch und verschob den Start an Land zweimal. Gegen 15:00 Uhr öffnete sich dann das erste Startfenster und die Kieler rückten mit einem kleinen Feld aus, um dem Geschehen beizuwohnen. Es wurde gestartet, doch leider war der Kurs seitens der Wettfahrtleitung nicht zu 100 % klar kommuniziert worden. So kam es, dass einige Kieler zwei Runden drehten und ein einziger drei Runden – was sich letztlich als die richtige Wahl herausstellte, doch es gab kein Ziel. Durch die Wirren des Wetters, die unklare Kommunikation und wohl auch direkte Absprachen auf dem Zielschiff wurden fehlerhafte Informationen gestreut. Das führte nach einigen Protestverhandlungen und Korrekturversuchen von Wettfahrtleitung und Jury zu maximaler Verwirrung auf allen Seiten. Schließlich wurde die gesamte Wettfahrt annulliert. Also hieß es für Donnerstag: alles auf Null!
Donnerstag: Bestes Wetter, super Startbedingungen!
Die Kieler liefen in großer Zahl aus und freuten sich auf drei Runden packenden Wettkampf. Allerdings gab es kurz vor dem Start eine Kollision zweier Kieler, was dazu führte, dass ein Boot die Regatta komplett abbrechen musste. Das zweite Boot konnte repariert werden und war am Freitag wieder startbereit. Ein weiteres Boot musste leider aufgeben, weil es in einer Wende mit dem Bug in einer Welle am Startschiff hängen blieb und somit die Regatta ebenfalls vorzeitig beenden musste. Die verbliebenen Teilnehmer lieferten sich drei spannende Wettfahrten – diesmal auf dem korrekten Kurs, denn am Donnerstag war die Kommunikation der Wettfahrtleitung deutlich klarer und besser.
Freitag: Mega Wetter!
Drei Wettfahrten waren angesetzt und die Kieler-Community versammelte sich brav am Feld F, bereit zum Start. Es ging los: Up and Down, jeweils zwei Runden. Es folgten wilde Kämpfe am Start, an der Tonne und auch am Gate. Abdecken, kleine Matchraces – eben alles, was das Regattasegler-Herz begehrt! Durch das Gate teilte sich das Feld strategisch in eine linke und eine rechte Seite auf. Zwischendurch musste aufgrund von Winddrehern sogar die Startlinie verlegt werden. Alles in allem war es extrem spannend. Leider gab es auch ein paar kleinere Bootsberührungen, nach denen ordnungsgemäß „gekringelt“ werden musste – zum Glück aber nichts, was zu ähnlich schweren Beschädigungen wie am Vortag führte. Am Ende liefen alle sicher im Hafen ein und es gab ein verdientes Stegbier für alle.
Am Freitagabend stand das Seglerfest an, das wir zusammen mit den Beneteaus feierten. Ein sehr geselliger Abend mit Musik, guten Getränken und leckerem Essen auf der Mittelmole, weshalb die Kieler standesgemäß mit der Fähre zum Fest übersetzen mussten. Im festlichen Rahmen wurden zudem zahlreiche Ehrungen vergeben, die traditionell im Rahmen der Deutschen Meisterschaft verliehen werden.
Samstag: Zwei Wettfahrten angesagt.
Bei leichtem Wind ging es an den Start, und kurz darauf brieste es sogar noch ein wenig auf. Die Wettfahrten waren, wie bei den Kielern üblich, hart umkämpft – denn der Sportsgeist steht bei uns immer ganz weit vorne. Die beiden Wettfahrten über drei Runden boten auf der sportlichen Seite jede Menge Raum für packende Zweikämpfe.
Am Ende liefen die Kieler glücklich im Hafen ein, wo bereits andere Klassen auf das Kranen warteten. Die Kieler wurden ausgekrant, das Salzwasser wurde direkt abgespült und die Boote reisefertig gemacht. Am Schluss gab es noch ein paar Proteste und leider auch die Androhung von Zusatzpunkten, weil in einigen Fällen nach dem Ende der Wettfahrten nicht schnell genug eingecheckt wurde.
Dann folgte die Siegerehrung. Hier hatten sich die Kieler insgeheim wohl eine Ansprache wie diese vorgestellt:
„Liebe Kielzugvogelsegler, es war uns eine Ehre, eure Klasse hier bei uns auf der Warnemünder Woche begrüßen und betreuen zu dürfen. Der erste Tag war leider von einer Verkettung unglücklicher Umstände überschattet – dafür möchten wir uns entschuldigen. Wir hoffen, dass wir die beste Lösung für alle gefunden haben, und sind uns sicher, dass die folgenden Tage euren Erwartungen entsprochen haben. Auch die berechtigte Kritik, dass wir gerne noch direkter den Kontakt mit euch Seglern und Regattateilnehmern hätten suchen dürfen, nehmen wir dankbar in unsere ‚Lessons Learned‘ auf.
Kommen wir nun zum Thema Meisterschaft: Leider gab es vor dem ersten Start so viele Ausfälle, dass das Teilnehmerfeld nach den offiziellen Regeln nicht mehr für eine Internationale Deutsche Meisterschaft ausreichte. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und nach jedem Spielraum gesucht, aber leider keinen gefunden. Daher handelt es sich nun offiziell um eine Deutsche Bestenermittlung. Dies tut der großartigen seglerischen Leistung, die ihr hier erbracht habt, aber natürlich überhaupt keinen Abbruch! Kommen wir also zur Preisverleihung…“
So etwas in der Art hatten wir Kieler sicherlich erwartet – daher hier nun auf diesem schriftlichen Weg, damit wir uns alle auch wirklich wertgeschätzt fühlen.
Fazit
Am Ende muss man festhalten, dass es trotz allem eine sehr gelungene Veranstaltung war – auch wenn es aufgrund der vielen Ausfälle am Ende leider keine Internationale Deutsche Meisterschaft mehr wurde. Die Unterkunft auf dem Militärgelände sah anfangs zwar fast nach einer Bestrafung aus, entpuppte sich aber als absolutes Highlight: Durch die Abgeschlossenheit und die herrlich unkomplizierten Regeln konnten wunderbare Wagenburgen mit einem zentralen, überdachten Partyraum und weiteren kleinen Hotspots gebaut werden. Und genau das ist es, was die Kieler ausmacht – man rottet sich gemütlich zusammen und kommuniziert gewohnt gepflegt.
Natürlich sind die Ausfälle und Crashs schmerzhaft, und auf so etwas verzichtet man gerne. Diesmal entstanden sie zum Glück nicht aus übertriebener sportlicher Härte, sondern eher aus Unachtsamkeit. Das Wetter und die sportliche Härte sind ohnehin Faktoren, bei denen man es nicht übertreiben muss – der Sport und der Spaß sollten schließlich immer im Vordergrund stehen. Und das tun sie bei den Kielern im Regelfall auch.
Die Wettfahrtleitung war ab dem zweiten Tag absolut okay und es konnte hervorragend gesegelt werden. Den Veranstalter muss man ohnehin differenziert betrachten: Auf der einen Seite stand das Organisationsteam der Warnemünder Woche, das einen super Job gemacht hat und den Herausforderungen der Regattateilnehmer jederzeit exzellent begegnete. Auf der anderen Seite steht die Wettfahrtleitung, die mit uns Kielern am ersten Tag so ihre Mühe hatte und im Allgemeinen gerne etwas kommunikativer hätte sein dürfen – aber das hatte uns Olli ja ohnehin schon als kleines Manko in der Rundenorganisation angekündigt. Insgesamt hat es sich aber gut eingespielt.
Ein herzliches Dankeschön an alle, die an der Organisation beteiligt waren, und an jeden, der sich ein Bein ausgerissen hat, damit wir diese tollen Tage so erleben durften!
Danke!
Verfasser: Marc
Lektor: Amir
Finisher
